Die heimische Wirtschaft findet zunehmend wieder zu alter Stärke zurück. Im 2. Quartal 2010 haben sich die Einschätzungen
der befragten Unternehmen zur aktuellen Geschäftslage nochmals verbessert. Der Saldo der Lageurteile hat damit nahezu
wieder das Niveau vor Beginn des starken Abschwungs erreicht. Maßgebliche Stütze der Erholung ist der Export. Die
Industrie beurteilt ihre derzeitige Lage erneut günstiger als in den vergangenen Monaten. Auch im Baugewerbe ist eine
positive konjunkturelle Entwicklung festzustellen. Die Großhändler melden eine erhebliche Verbesserung ihrer Geschäftssituation.
Am besten von allen Branchen beurteilen derzeit die Einzelhändler die Geschäftslage. Lediglich bei den Dienstleistern
fallen die Lageeinschätzungen etwas verhaltener als im Vorquartal aus. Insgesamt wollen die heimischen Unternehmen erstmals
seit beinahe zwei Jahren ihren Personalbestand wieder erhöhen. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage
der IHK Heilbronn-Franken, an der sich mehr als 410 Unternehmen mit 68.900 Beschäftigten aus dem gesamten IHK-Bezirk
beteiligt haben.Die aktuelle Geschäftslage beurteilen die regionalen Unternehmen erneut deutlich besser als im Vorquartal.
34 Prozent (Vorquartal 28 Prozent) der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen sprechen von einer guten Geschäftslage,
während 12 Prozent (Vorquartal 16 Prozent) der Betriebe mit dem Geschäftsverlauf nicht zufrieden sind.
Der
Export hat stark angezogen. Die heimische Wirtschaft profitiert von der Belebung der Weltwirtschaft. Auch der deutlich niedrigere
Euro-Wechselkurs hat die Ausfuhr unterstützt. Bei der Binnenkonjunktur kommen Impulse von einem besseren Konsum sowie
steigenden Investitionen der Unternehmen. Allerdings ist zu erwarten, dass das hohe Expansionstempo der Industrie in den kommenden
Monaten wohl nicht beibehalten werden kann. Die Konjunkturprogramme laufen aus und die Schuldenkrise in Europa stellt ein
Risiko für den Aufschwung dar. Dämpfend dürften sich auch die Sparpläne der Bundesregierung auswirken.
Jedoch könnten durch einen Vertrauensgewinn auch positive Effekte entstehen, wenn die Sorge der Bürger und Investoren
wegen der steigenden Staatsverschuldung nachlässt.
Erstmals seit dem 3. Quartal 2008 wollen wieder mehr Betriebe
Personal neu einstellen als abbauen. Im Einzelnen sehen 24 Prozent der Unternehmen eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl
vor, während 14 Prozent der Betriebe die Streichung von Stellen in Erwägung ziehen. In Bezug auf die Geschäftsentwicklung
in den nächsten zwölf Monaten hat sich der Optimismus in der regionalen Wirtschaft leicht abgeschwächt. 37
Prozent (Vorquartal 44 Prozent) der Betriebe erwarten einen günstigeren Geschäftsverlauf, jedes zehnte Unternehmen
(Vorquartal 12 Prozent) geht von einer schlechteren Entwicklung aus.
Lage in Industrie erneut verbessert
Die Industrie,
die maßgeblich die regionale Wirtschaftsentwicklung bestimmt, beurteilt zum fünften Mal in Folge die aktuelle Geschäftslage
günstiger als im Vorquartal. 40 Prozent (Vorquartal 30 Prozent) der Betriebe melden eine gute Geschäftslage, während
13 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) der Unternehmen den Geschäftsverlauf als schlecht bezeichnen.
Im Vergleich zum
Vorquartal ist die Zahl der Auftragseingänge aus dem Ausland gestiegen. 51 Prozent der Unternehmen melden einen Anstieg
der ausländischen Auftragseingänge. Nur 11 Prozent klagen hingegen über Einbußen bei den Auslandsorders.
Im Bereich der inländischen Auftragseingänge ist dagegen per saldo ein Rückgang festzustellen. 37 Prozent (Vorquartal
43 Prozent) der Betriebe verweisen auf einen Zuwachs bei den Inlandsorders, 17 Prozent (Vorquartal 13 Prozent) der Unternehmen
klagen über Einbußen. Die durchschnittliche Kapazitätsauslastung ist auf 83 Prozent gestiegen (Vorquartal 79
Prozent).
Die Personalplanungen der Industrieunternehmen fallen optimistischer als im Vorquartal aus. Erstmals seit
zwei Jahren überwiegen wieder die positiven Stimmen. Während 24 Prozent der Betriebe eine Erhöhung des Personalbestands
planen, ziehen 13 Prozent eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl in Betracht. Die Aussichten für die kommenden zwölf
Monate schätzen die Betriebe allerdings nicht mehr ganz so zuversichtlich wie im Vorquartal ein. 45 Prozent (Vorquartal
53 Prozent) der Unternehmen rechnen mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung. 7 Prozent (Vorquartal 10 Prozent)
gehen von einem schlechteren Geschäftsverlauf aus.
Positivere Situation im Baugewerbe
Das Stimmungsbild im
heimischen Baugewerbe hat sich im 2. Quartal 2010 verbessert. Während 30 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) der Betriebe
den Geschäftsverlauf als gut bezeichnen, sprechen 19 Prozent (Vorquartal 24 Prozent) von einer schlechten Geschäftslage.
Bei der Entwicklung der Auftragseingänge insgesamt überwiegen wieder die positiven Stimmen. Im Einzelnen meldet
im Bereich des gewerblichen Hochbaus ein Viertel der Betriebe steigende Auftragseingänge. Die Verbesserung in diesem
Teilbereich dürfte auf die sich belebende Investitionstätigkeit der Unternehmen sowie die anhaltende konjunkturelle
Erholung zurückzuführen sein. Im Straßen- und Tiefbau melden jeweils 11 Prozent steigende beziehungsweise fallende
Auftragseingänge. Per saldo deutlich verbessert haben sich die Auftragseingänge im öffentlichen Hochbau. Dagegen
berichten im Wohnungsbau die Unternehmen über einen Rückgang der Auftragseingänge. Während 22 Prozent
der Betriebe mit einer günstigeren Geschäftsentwicklung in den nächsten zwölf Monaten rechnen, blicken
27 Prozent mit Skepsis in die Zukunft. 22 Prozent der Betriebe sehen eine Reduzierung der Beschäftigtenzahl vor.
Starke
Aufhellung im Großhandel
Im Bereich des Großhandels fällt die gegenwärtige Lageeinschätzung
erheblich besser als im Vorquartal aus. Seit beinahe zwei Jahren überwiegen jetzt wieder die positiven Urteile. Während
32 Prozent (Vorquartal 12 Prozent) der Betriebe eine gute Geschäftslage melden, sind 9 Prozent (Vorquartal 40 Prozent)
mit dem Geschäftsverlauf unzufrieden. Im Vergleich zum vergangenen Quartal hat sich die Beurteilung des Kaufverhaltens
stark verbessert. 23 Prozent der Großhändler sprechen von einem kauffreudigen Kaufverhalten. 43 Prozent der Unternehmen
rechnen mit einem eher günstigen Geschäftsverlauf. Nur 11 Prozent blicken skeptisch auf die zukünftige Geschäftsentwicklung.
26 Prozent der Großhändler planen eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl.
Einzelhandel meldet beste
Geschäftslage im Branchenvergleich
Das Stimmungsbild im regionalen Einzelhandel hat sich gegenüber dem vergangenen
Quartal stark verbessert. 36 Prozent (Vorquartal 20 Prozent) der Einzelhändler halten den Geschäftsverlauf für
gut. Lediglich 7 Prozent (Vorquartal 20 Prozent) der Betriebe melden eine schlechte Geschäftslage. Trotz der Eurokrise
und dem Sparpaket der Bundesregierung zeigt sich das Konsumverhalten der Verbraucher derzeit positiv. Günstig dürften
sich die verbesserte Arbeitsmarktlage sowie die WM-Hochstimmung ausgewirkt haben. Die Einschätzung des Kaufverhaltens
der Kunden durch die Einzelhändler fällt im Vergleich zum Vorquartal per saldo etwas besser aus. 9 Prozent der Betriebe
stufen das Kaufverhalten der Kunden als kauffreudig ein. 53 Prozent der Einzelhändler melden ein saisonübliches
Verhalten und 38 Prozent der Betriebe sprechen von einem zurückhaltenden Kaufverhalten. Dagegen hat in Bezug auf die
weitere Geschäftsentwicklung die Skepsis per saldo wieder leicht zugenommen. 9 Prozent der Einzelhändler erwarten
eine günstigere Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten. 11 Prozent blicken pessimistisch in die
Zukunft. Ein Fünftel der Betriebe zieht eine Erhöhung der Beschäftigtenzahl in Betracht.
Optimismus im
Dienstleistungssektor etwas gedämpft
Die Beurteilung der konjunkturellen Situation durch die Betriebe des Dienstleistungsgewerbes
fällt weniger optimistisch als im Vorquartal aus. 24 Prozent (Vorquartal 33 Prozent) der Unternehmen bezeichnen die aktuelle
Geschäftslage als gut, während 14 Prozent (Vorquartal 9 Prozent) der Dienstleister mit dem Geschäftsverlauf
unzufrieden sind. Während ein Drittel der Dienstleister steigende Auftragsvolumina meldet, berichten 12 Prozent von einem
rückläufigen Auftragsvolumen. Die Einschätzung der zukünftigen Geschäftsentwicklung fällt ebenfalls
nicht mehr so positiv wie im Vorquartal aus. 36 Prozent (Vorquartal 52 Prozent) der Unternehmen rechnen mit einem günstigeren
Geschäftsverlauf, 11 Prozent (Vorquartal 14 Prozent) blicken pessimistisch in die Zukunft. Günstig bleiben die Beschäftigungschancen
im Dienstleistungssektor. 30 Prozent der Betriebe wollen den Personalstand erhöhen, 19 Prozent planen eine Reduzierung.
Weitere
Informationen zur aktuellen konjunkturellen Lage können im Internet unter dem Stichwort „Konjunktur" unter http://www.heilbronn.ihk.de/konjunkturbericht
abgerufen werden.
Statement IHK-Hauptgeschäftsführer Heinrich Metzger zum aktuellen Konjunkturbericht:
„Die
Wirtschaft unserer Region hat wieder deutlich Fahrt aufgenommen und läuft, so das Ergebnis unserer aktuellen Konjunkturumfrage,
wieder auf dem Niveau der Vorkrisenzeit. Es ist erstaunlich wie schnell sich die Wirtschaft von der größten Wirtschaftskrise
der Nachkriegszeit erholt hat. Hatten manche zu Beginn der Erholungsphase nur von einem kurzen Strohfeuer oder gar einer Angstblüte
gesprochen, hat sich der Trend inzwischen verfestigt.
Treiber dieser Entwicklung bleibt die Industrie. Der Export hat
erneut stark angezogen. Unsere heimische Wirtschaft profitiert aufgrund ihrer hervorragenden Wettbewerbsfähigkeit deutlich
von der Belebung der Weltwirtschaft. Auch der niedrigere Euro-Wechselkurs unterstützt die Exporte. Erste Klagen über
steigende Energiepreise und schwierige Rohstoffmärkte nehmen wir hier einfach mal als gutes Zeichen.
Tatsächlich
zeigt die aktuelle Geschäftslage aber fast in allen Branchen deutlich nach oben. Nur die Dienstleister beurteilen die
derzeitige Lage verhaltener, liegen aber ebenfalls solide im positiven Bereich. Erfreulich ist, dass auch die Binnenkonjunktur
Impulse durch einen besseren Konsum sowie steigende Investitionen der Unternehmen erhält und so die konjunkturelle Entwicklung
auf ein solides zweites Standbein stellt.
In den kommenden Monaten wird das hohe Expansionstempo allerdings kaum zu
halten sein. Denn die Konjunkturprogramme laufen aus und auch die Schuldenkrise in Europa stellt ein Risiko für den Aufschwung
dar. Dämpfend dürften sich auch die Sparpläne der Bundesregierung auswirken. Trotzdem ist die Bundesregierung
mit diesen Maßnahmen auf dem richtigen Weg. Tatsächlich können durch sie auch positive Effekte erfolgen, wenn
Bürger und Investoren Vertrauen in diese Maßnahmen fassen und dadurch die Sorge wegen einer steigenden Staatsverschuldung
nachlässt.
Derzeit gibt es für die Konjunktur also deutlich mehr Chancen als Risiken."